MentalLeis
Verfassungsschutz will Industriespionage bekämpfen PDF Drucken E-Mail
Bundesamt soll laut Bericht federführende Behörde werden

Frankfurt/Main – Das Bundesamt für Verfassungsschutz will sich als Zentralstelle im Kampf gegen Wirtschaftsspionage profilieren. Entsprechende Pläne, die auch zusätzliche Mitarbeiter umfassen, legte Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble vor. Das Bundesamt lehnte am Wochenende eine Stellungnahme dazu ab.
Fromm hatte auf einer Veranstaltung im Dezember in Berlin der Wirtschaft die Zusammenarbeit seiner Behörde im Kampf gegen Ausspähung durch ausländische Geheimdienste angeboten. Sein Amt verfüge über das Wissen, Spionage zu erkennen und zu verfolgen, sagte er damals. Seit 1990 sei das Bundesamt zwar personell verkleinert worden, allerdings würden derzeit die Prioritäten überprüft. Ein Punkt sei, die Kapazitäten zum Schutz der Unternehmen zu verstärken.
Nach Schätzungen entstehen der deutschen Wirtschaft durch Datenklau jährlich Schäden von rund 20 Milliarden Euro. Rund 750.000 Computer seien mit so genannten Trojanern infiziert, schrieb die „Wirtschaftswoche“. Dennoch friste die Spionageabwehr beim Verfassungsschutz ein Schattendasein. Einige Landesämter hätten nur einen Beamten als Kontaktperson für spionagegefährdete Unternehmen abgestellt. Außerdem erschwere Kompetenzgerangel die Arbeit der Behörde.
Geplant sei, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die Federführung übernimmt. Zudem soll es bei jedem Spionagefall in der deutschen Wirtschaft von dem Anfangsverdacht ausgehen, dass ein ausländischer Nachrichtendienst hinter dem Angriff stecke. Nur dann dürften die Verfassungsschützer einschreiten. Geht die Attacke dagegen von einer privaten Firma aus, seien ihnen die Hände gebunden, schrieb die Zeitschrift. (AP)

Quelle: http://www.epochtimes.de (06.01.2008)
 
Spione nehmen Firmen aus PDF Drucken E-Mail

Industriespionage
Spione nehmen Firmen aus

   
In Zeiten von Globalisierung und verschärftem Wettbewerb spähen manche Unternehmen systematisch ihre Konkurrenten aus. Dabei beschaffen sie sich technisches Know-how, um eigene Kosten für die Entwicklung zu sparen. Oder sie kopieren Fertigungstechniken, um kostengünstig abgekupferte Güter zu produzieren. Betroffen sind große und kleine Firmen aller Branchen, die Hochtechnologie entwickeln und vertreiben. Allein in Deutschland wird der jährliche Schaden auf mindestens acht Milliarden Euro geschätzt.

Industriespionage kaum öffentlich gemacht

Die meisten Fälle von Industriespionage dringen nicht in die Öffentlichkeit. Zu den Ausnahmen gehören Vorwürfe an China, weil es angeblich westliche Technik wie etwa bei der Magnetschwebebahn ausspäht. Eine heftige Auseinandersetzung gab es 2003 zwischen den US-Rüstungskonzernen Lockheed Martin und Boeing. Damals ging es um einen Raketenauftrag der amerikanischen Luftwaffe. Vor Jahrzehnten gab es Gerüchte um das russische Überschall-Flugzeug TU-144, das der französisch-britischen Concorde sehr ähnelte.

eMails abgefangen
Moderne Industriespione belauschen Telefonate, fangen eMails ab und dringen in fremde Computersysteme ein - meist ohne Spuren zu hinterlassen. Mitunter werden "Quellen" bei der Konkurrenzfirma eingeschleust oder dort Schnüffler angeworben. Große Konzerne unterhalten nicht nur einen Werkschutz, sondern eigene Sicherheitsabteilungen zur Abwehr von Informationsräubern. Im deutschen Mittelstand bestehe jedoch noch großer Handlungsbedarf, befand die Berliner Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW) kürzlich.

Private Spione eingeschleust
Bei Attacken auf Firmengeheimnisse arbeiten private Spione oft im Schulterschluss mit Geheimdiensten. In Deutschland sind dies nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes vor allem Dienste aus Russland, China und einigen "Krisenländern". Auch beim US-Fernmeldesystem Echelon wird die Nutzung zur Wirtschaftsspionage im Interesse heimischer Unternehmen nicht ausgeschlossen. Frankreich hat nach Darstellung eines Sicherheitsberaters der Regierung "begriffen", dass auch die heimischen Unternehmen nach dem Verlust von Marktanteilen so vorgehen müssten

Quelle: http://www.t-online-business.de

 
Die Spione von der Konkurrenz PDF Drucken E-Mail

Die Spione von der Konkurrenz
Competitive Intelligence

Handesblatt.com vom 22.04.2008
von Massimo Bognanni

Um auszukundschaften, was der Wettbewerber plant, beschäftigen Unternehmen heute eigene Geheimagenten. Deren Aufgaben gehen zuweilen weit über klassische Marktforschung hinaus. Manche Spione von der Konkurrenz arbeiten mit fragwürdigen Methoden. Dabei gehen die meisten Firmen viel zu leichtfertig mit ihren Betriebsgeheimnissen um.
DÜSSELDORF. Sie sind mitten im Krieg. Und sie merken nicht einmal, dass der Feind sie belagert, ausspäht und an neuen Angriffsstrategien feilt. Die Rede ist von ahnungslosen Unternehmen, die ins Visier von Spionen der Konkurrenz geraten sind. Und die haben es auf die Kronjuwelen abgesehen: Kundendaten, Produkte, Marketingkonzepte, Fusionspläne. Solche Informationen sind Millionen wert. Geraten sie in falsche Hände, stehen Marktanteile oder gar die Existenz auf dem Spiel.
Schlagzeilen machte der Fall von SAP und Oracle. Das US-Softwareunternehmen wirft dem Rivalen SAP vor, über die Tochter Tomorrow Now illegal Daten von Oracle-Rechnern heruntergeladen zu haben. SAP-Chef Henning Kagermann räumte zwar „unangemessene Datenabrufe“ ein, bestritt aber vehement einen breit angelegten Diebstahl und eine Verletzung der Eigentumsrechte. Die Sache beschäftigt nun ein Gericht in San Francisco.
Im Kampf um einen Wissensvorsprung findet ein weltweites Wettrüsten statt: Unternehmen haben dafür eigene Nachrichtendienste aufgebaut, Abteilungen für so genannte Competitive Intelligence (CI). Ihre Aufgabe ist es, systematisch Informationen über Markttrends, Patente, Technologien und Kundenerwartungen zu sammeln.
Mittlerweile unterhalten rund 80 Prozent der mittleren und großen Unternehmen weltweit solche Einheiten. Dies schätzt der Branchenverband der CI-Profis, SCIP, der hier durch das Deutsche Competitive Intelligence Forum vertreten ist. Reden will jedoch kaum ein Unternehmen darüber. Das Image von CI-Abteilungen ist nicht ohne Makel.
„Mit Industriespionage hat mein Job nichts zu tun, eher mit dem, was man früher unter Marktforschung verstand“, sagt Andrea Pütz, die als Wettbewerbsanalytikerin im Darmstädter Chemieunternehmen Ticona arbeitet. Sie nutzt ausschließlich öffentliche und legale Quellen wie Finanzberichte, Zeitungsartikel und Fachbücher. Zudem befragt sie Kollegen und Experten. Alle Informationsteilchen fügt sie dann in einem Bericht für den Vorstand zusammen. Dieser dient als wichtiger Wegweiser für die Strategie des Unternehmens.
Pütz hält sich bei ihrer Arbeit an den Ethikkodex des Branchenverbandes SCIP. „Jeder CI-Profi sollte nur solche Aktionen initiieren, die er auch vertreten könnte, wenn sie morgen in der Zeitung stünden“, fasst Rainer Michaeli, Direktor des Instituts für Competitive Intelligence, diesen Kodex zusammen. Das Institut bildet Marktanalysten zu CI-Profis weiter. Auf der Referenzliste stehen Unternehmen wie Lufthansa, Deutsche Bank, Siemens, SAP und Schering.
„Von möglichen Negativschlagzeilen lassen sich die meisten CI-Profis nicht abhalten“, ist hingegen Spionage-Experte Udo Ulfkotte überzeugt. Immerhin seien gerade die Daten von großem Interesse, die nicht frei zugänglich seien. „Der Druck auf Unternehmen ist durch die weltweite Konkurrenz enorm. Für wichtige Informationen überschreiten Konzerne deshalb ethische Grenzen“, beobachtet Ulfkotte. Zudem gebe es Kulturen, in denen Spionage ganz anders beurteilt werde als in Deutschland. In China etwa werde Industriespionage gar nicht als verwerflich angesehen, weiß der Spionage-Experte.
Denn oft machen es die Ausgespähten den Industriespionen nur allzu leicht. Geschickt nutzen sie Sicherheitslücken und die Naivität der Mitarbeiter aus. Im Selbstversuch testete Ulfkotte, wie eine deutsche Solarfirma mit sensiblen Firmendaten umging. Mit holländischen Akzent rief er in der deutschen Zentrale an und gab sich als Kollege der niederländischen Tochterfirma aus. Er wolle sich für ein Meeting informieren.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum die Konkurrenz noch nicht mal einen Maulwurf einschleusen muss
Innerhalb weniger Minuten erzählte ihm ein Ingenieur, aus welchen Materialien die Solarzellen-Beschichtung besteht und wie sie aufgetragen wird. Ulfkotte wundert nun nicht mehr, dass chinesische Firmen deutsche als Marktführer in der Solarbranche abgehängt haben. Juristisch jedoch ist solch ein Vorgehen kaum angreifbar, betont der Experte: „Es ist kein Straftatbestand, in einem Gespräch zu lügen. Die Informationen wurden mir ja freiwillig gegeben.“
Wie Ulfkotte gehen auch die echten Industriespione vor: Sie geben sich als Kunde, Doktorand oder Headhunter aus, kontaktieren ehemalige Mitarbeiter und lassen sich erklären, wie die Arbeit konkret aussieht. Auf Messen mimen sie den Technikfreak und verwickeln Mitarbeiter geschickt in Fachgespräche. Denen kommen schnell mal intime Details zum neuen Produkt über die Lippen.
„Einen Maulwurf beim Wettbewerber einzuschleusen, ist meist gar nicht nötig“, weiß Ulfkotte. Ein solcher muss sich gerade in den USA vor Gericht verantworten. Ein Ex-Ingenieur von Boeing soll Industriespionage für China begangen haben. Dongfan „Greg“ Chung wird vorgeworfen, vertrauliche Informationen über Raumfahrtprogramme an die Volksrepublik weitergegeben zu haben.
Wie James Bond & Co. nutzen auch Industriespione modernste Technik, um an interne Firmendaten zu gelangen. Besondere Vorsicht ist bei Werbegeschenken geboten, warnt Ulfkotte. Kugelschreiber mit eingebautem GPS-Sender etwa liefern wertvolle Informationen darüber, welche Kunden und Geschäftspartner der Manager der Konkurrenz gerade besucht. Ebenfalls effektiv: die verwanzte Kaffeekanne. Hiermit versorgt die Sekretärin nicht nur die Teilnehmer geheimer Konferenzen mit Heißgetränken, sondern gleich auch mithörende Wettbewerber mit vertraulichen Informationen.
Die wachsende Spionagegefahr ruft Experten wie Christian Muth von Fink Secure Communication auf den Plan. Der Ex-Bundeswehr-Offizier arbeitet in der Competitive Intelligence Defense, der Abwehr von Industriespionage. Hat ein Unternehmen den Verdacht, dass ein Mitarbeiter abgehört wird, rückt Muth schon mal nachts im Betrieb an. Die Profis untersuchen Steckdosen, nehmen Aktenschränke auseinander und schauen in jede Blumenvase. Dann bauen sie das Büro haargenau wieder so auf, wie sie es vorgefunden haben. Denn der Mitarbeiter soll von alledem nichts merken – er könnte ja mit den Spionen unter einer Decke stecken.
Am meisten verwundert Muth die Sorglosigkeit vieler Beschäftigter: Passwörter, Safeschlüssel und Geheimdokumente liegen offen in der Schublade, so dass auch die Putzkolonne problemlos zugreifen könnte. Seine Arbeit sieht Muth manchmal als Kampf gegen Windmühlen. „Viele Firmen fragen sich heute noch, ob sie überhaupt bespitzelt werden. Die richtige Frage müsste aber lauten: Wo ist die Gefahr für mein Unternehmen am größten?“

Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/strategie/die-spione-von-der-konkurrenz;1420004;0

 

Mitgliedschaften

Förderndes Mitglied im
Deutschen Coaching Verband e.V.




Mitgliedschaft im Weissen Ring e.V